Skip to main content

DAB+ in Nordrhein-Westfalen: Wann kommen die Privaten?

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat angekündigt, sein DAB+ Sendernetz in Nordrhein-Westfalen weiter ausbauen zu wollen. Dazu sollen, wie berichtet, im kommenden Jahr vier weitere Sender in Betrieb genommen werden. An bereits in Betrieb befindlichen Standorten sollen die Sendeleistungen erhöht werden, um den DAB+ Empfang zu verbessern.

Dass es der WDR mit dem neuen Radiostandard ernst meint, zeigt auch die Zusammenarbeit mit der Firma TechniSat. Seit kurzem ist das TECHNIRADIO 1 in einer speziellen „NRW Edition“ erhältlich. Die Programme 1Live, WDR 2, WDR 4 sowie WDR 5 sind über entsprechend beschriftete Direktwahltasten per Knopfdruck abrufbar. So verschafft sich die Anstalt mit jedem verkauften Radio einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren privaten Mitbewerbern aus der Region. Diese sind bislang nur analog zu empfangen. Hörer, die bereits ein Digitalradio besitzen, müssten zunächst die Empfangsart auf UKW umstellen und dann nach der richtigen Frequenz suchen, um ihr Lokalradio zu hören.

Damit der Lokalfunk in Nordrhein-Westfalen auch über DAB+ senden kann, muss die zuständige Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) entsprechende Übertragungskapazitäten ausschreiben.

„Die LfM steht vor der komplizierten Aufgabe, ein DAB+-Regionalkonzept auf den Weg zu bringen, bei dem die Mehrzahl der NRW-Lokalsender mit aufspringen sollte und auch neue Anbieter wie wir einen Platz finden. Auf Grund der Historie und vielen politischen Machtspielchen braucht dies etwas mehr Zeit, als in anderen Bundesländern. Dafür habe ich Verständnis, auch wenn viele Akteure im Markt hier bewusst auf Zeit, Verdrängung und Blockade spielen.“, erklärt Radiomacher Frank Weiler gegenüber Radioempfang Digital.

Sein Radioprogramm, lulu.fm, sendet aus Köln bereits über DAB+ für viele deutsche Metropolregionen. Gerne möchte er auch in Nordrhein-Westfalen die LGBTI-Community über Antenne erreichen. Er ist sich sicher, dass für lulu.fm noch Platz auf dem Markt ist:

„Wirtschaftlich können in NRW durchaus mehr als nur ein per Gesetz festgeschriebener Privatsender gut nebeneinander existieren. Die Vermarkter warten schon lange auf weitere Möglichkeiten, Radiowerbung buchen zu können. Im Übrigen würde es den Lokalsendern in NRW auch gut tun, sich einem Wettbewerb zu stellen, denn das mehr als 25 Jahre alte Zwei-Säulen-Modell wackelt derzeit auch ohne DAB+ schon recht kräftig.“

Die Zeit ist reif, hier ist sich Weiler mit den begeisterten Nutzern der Technik einig. Auf dem Facebook-Angebot der Medienanstalt machen sie ihrem Unmut Luft. Sie bitten die LfM, Stellung zum digital-terrestrischen Rundfunk zu beziehen und entsprechende Übertragungskapazitäten auszuschreiben. Gegenüber Radioempfang Digital erläutert Dr. Peter Widlok, Sprecher der LfM, den Stand der Dinge:

„Die LfM ist seit einiger Zeit dabei, in einer umfangreichen Bestandsaufnahme Argumente für DAB plus für Nordrhein-Westfalen abzuwägen. Diese Bestandsaufnahme ist noch nicht fertig. Geplant ist, dass im Herbst zunächst die Gremien der LfM (Medienkommission) darüber informiert werden.“

Im vergangenen Jahr hatte der Netzbetreiber MEDIA BROADCAST ein Konzept ausgearbeitet, wie der Lokalfunk in NRW über DAB+ abgebildet werden könnte. Die Pläne wurden der LfM in einem Brief vorgestellt. Vor allem Pendler könnten von der DAB+ Verbreitung ihres Lokalradios profitieren, da das DAB+ Sendegebiet größer ausfällt, als die bisherige UKW-Verbreitung.

Weil es weder an Konzepten, noch an Interessenten mangelt, sieht Frank Weiler der Zukunft optimistisch entgegen:

„Es bleibt zu hoffen, dass man sich in Düsseldorf nun so langsam ein Bild gemacht hat und bis Ende des Jahres eine Ausschreibung auf den Weg gebracht wird. Mit einer technischen Reichweite von etwa 18 Mio Einwohnern (bis Ende 2017) in fünf Verbreitungsgebieten außerhalb NRWs, ist lulu.fm als in Köln ansässiger Sender bereits eine gute Visitenkarte für DAB+ in NRW. Das ist auch der LfM bewusst und ich bin mir sicher, dass man uns gerne Übertragungskapazitäten in der Rhein-Ruhr-Schiene zuweisen wird, wenn das Eis bei den bisherigen DAB+-Verweigerern gebrochen ist, so wie es in anderen Bundesländern bereits passiert ist oder derzeit passiert. Die Menschen in NRW haben mehr Vielfalt verdient, nicht nur über die Bundesmuxe.“

Bereits jetzt können Hörerinnen und Hörer in Nordrhein-Westfalen Digitalradio empfangen und die Vorteile der Technik nutzen. Über den Kanal 11D werden die Programme 1LIVE, WDR 2, WDR 3, WDR 4, WDR 5, WDRcosmo, KinderRadioKanal, WDR Event , VERA und Domradio verbreitet. Außerdem sind die bundesweiten Programme auf Kanal 5C, Dlf, Dlf Kulur, Dlf Nova, DRadio DokDeb, Radio Bob!, ENERGY, Schlagerparadies, Klassik Radio, ERF Plus, Radio Horeb, Schwarzwaldradio, sunshine live und Absolut Relax zu empfangen. DAB+ Radios sind ab 30 Euro im Fachhandel erhältlich. Sie benötigen für die Wiedergabe der Programme keine Internetverbindung.

Newsletter abonnieren
Vorschau: Das erwartet Sie bei unserem Newsletter.
Alle DAB+ Themen regelmäßig per E-Mail erhalten - abonnieren Sie uns doch einfach!
Jetzt abonnieren
Ich stimme den Datenschutzbestimmungen zu. Ich kann meine Zustimmung jederzeit widerrufen.
Newsletter