Fragen zur DAB+ Zukunft

DAB+ Zukunft

Immer wieder erreichen uns Fragen von Lesern, die sich um die Zukunft des Digitalradios Gedanken machen. So betrifft auch diese Frage die DAB+ Zukunft.

Sehr geehrte Damen und Herren, wie „zukunftssicher“ sind heute gekaufte DAB+-Radios? Momentan sind ja nicht viele Sender digital zu empfangen. Wenn ich mir nun ein neues Radio mit DAB+ zulege, und z.B. in zwei Jahren sind Hunderte Sender digital zu empfangen, kann das dann mein heute gekauftes Radio ? Oder muss ich dann nachrüsten/neu kaufen ? Würde mich über eine Antwort freuen.

Leser

Gerne möchten wir unserem Leser versichern, dass er in ein Produkt investiert, dass noch viele Jahre Bestand haben wird. Doch wie so oft im Leben: Es ist und bleibt kompliziert. Die Innovationszyklen werden immer kürzer. Keiner kann heute seriös sagen, wie lange eine Technologie am Markt bestehen bleibt.

Wir sind der Auffassung, DAB+ ist und bleibt für die nächsten Jahre ein europäischer Rundfunkstandard, bei dem es eine Vielzahl von Endgeräten gibt und bei dem die Frequenzen für die Übertragung ist bis mindestens Ende 2035 gesichert sind. Ein wirtschaftlicher Nachfolger von DAB+ ist derzeit nicht in Sicht.

DAB+ Zukunft durch Digitalradio-Pflicht?

Die DAB+ Zukunft ist mit der Digitalradio-Pflicht, die ab dem 21. Dezember 2020 für Neuwagen gilt jedenfalls ein Stück sicherer. Denn ab diesem Zeitpunkt müssen Radios in Neuwagen grundsätzlich den Empfang und die Wiedergabe von digital-terrestrischem Radio, also DAB+, ermöglichen. Mit der jetzt bundesweit einheitlichen Regelung profitieren Hörerinnen und Hörer in ganz Deutschland von mehr Programmauswahl und besseren Klang. Hersteller, Händler und Programmanbieter verfügen über die nötige Planungssicherheit für die Umstellung ihres Geräteportfolios.

Zweiter Bundesmux kommt 2020

Lange Zeit verzögerte ein Rechtsstreit den Start des zweiten nationalen DAB+ Ensembles, welches ausschließlich mit privaten Programmen bestückt sein wird. Die gute Nachricht kam im Januar 2020: Der Rechtsstreit zwischen dem Mitbewerber, DABP, und der für die Auschreibung der Kapazitäten verantwortlichen Landesmedienanstalt, SLM, wurde außergerichtlich beigelegt. Nun ist der Weg frei für eine größere Vielfalt und weiteren nationalen Hörfunkangeboten. Antenne Deutschland kündigte an, zur IFA 2020 auf Sendung zu sein.

Viele Leser wünschen sich ein größeres Programmangebot auf DAB+. Mit dem Start des Bundesmux 2 stehen die Chancen für einen dauerhaften Erfolg von DAB+ jedenfalls ein bisschen besser.

DAB+ als Brückentechnologie?

Kritische Stimmen sehen die DAB+ Zukunft durch 5G gefährdet. Doch dazu hat der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm im RBB-Medienmagazin eine klare Meinung:

“DAB+ erlaubt Wachstum in der Gattung Radio und es trägt dem Umstand Rechnung, dass 5G noch in vielen Jahren keine verlässliche Übernahme von Radioangeboten ermöglicht.” 

Ulrich Wilhelm zur DAB+ Zukunft

Als Intendant vertritt Wilhelm auch den Bayerischen Rundfunk, der an dem Projekt bayerischen Forschungsprojekt “5GToday” beteiligt ist. In dem Projekt wird die Machbarkeit von „5G Broadcast“ erforscht. Auf Basis des 5G-Rundfunkmodus FeMBMS soll ein großflächiges Übertragungsnetz geschaffen werden, mit dem Rundfunkinhalte ähnlich wie bei DVB-T2 terrestrisch übertragen werden können. 

DAB+ Zukunft 5G
Einige Radioveranstalter sehen in 5G die Zukunft zur Übertragung des Radios. Renommierte Fachleute sehen in 5G keine Vorteile für das Radio gegenüber dem DAB+ Standard.

In Zukunft könnte diese Technologie in Smartphones, Tablets und TV-Geräten für den Empfang von Rundfunk über 5G integriert werden. Bis etwa 2025 ist das jedoch noch Zukunftsmusik. 

Weil die Rundfunkinhalte von High-Power-High-Tower (HPHT)-Sendern übertragen werden, dient der 5G-Rundfunkmodus in erster Linie zur Übertragung von Fernsehprogrammen. Zur Übertragung von Radio eignet sich 5G-Broadcast offenbar weniger. 

Dr. Christian Menzel fasste Anfang 2017 seine Erkenntnisse zur Verbreitung von Radio über 5G Broadcast zusammen: 5G Broadcast erfordert großflächige Gleichwellennetze mit einem identischen Programmangebot. Das entspricht den Anforderungen des Fernsehens. Radio refinanziert sich jedoch auf regionaler und lokaler Ebene. Zudem hat der 5G-Broadcast-Modus, wie bei DAB+, keinen Rückkanal. Für diesen braucht es kleinere Funkzellen und mithin Kosten für die Investition und in den Betrieb dieser. 

Ähnlich sieht das Prof. Dr.-Ing. Ulrich Reimers, Vizepräsident der TU Braunschweig für Strategische Entwicklung und Technologietransfer, Institut für Nachrichtentechnik. In einer Anhörung im Niedersächsischen Landtag führte er aus, dass eine flächendeckende Versorgung mit 5G unwirtschaftlich sei und es diese nicht geben wird. “Im Sinne einer Übertragungstechnologie, mit der es möglich ist, auch im flachen Land Radio im Auto zu empfangen, steht 5G definitiv nicht zur Verfügung.”